Bielefeld, den 6. November 2025
Lieber WDR.
Gestern hatte die Weinkönigin des Bundestages Frau Klöckner voreingenommen und gegen jeglichen allgemeingültigen politischen Diskurs-Rahmen populistisch gegen Sexarbeitende und ihr Umfeld gewettert.
Sie fordert dabei einerseits die Rechte von Sexarbeitenden nachhaltig zu schützen (guter Ansatz), wobei sie nur von Frauen redet. Diese stellen in etwa 75% dar, die anderen 25% sind männlich, non-binär...
Im direktem Atemzug sagt sie aber auch daß sie die Arbeit von in der Sexarbeit tätigen Personen kriminalisieren möchte wie dies z.B. in Schweden der Fall ist.
Damit hebelt sie nun ihre eigene Aussage komplett aus den Angeln, denn in der Illegalität lässt sich nicht geschützt arbeiten.
Im Gegenteil fördern illegale Strukturen in der Sexarbeit Menschenhandel, Ausbeutung und Zwang.
Auch unterschlägt sie die 900 Seiten starke Evaluation zum seit 2017 in Kraft getretenen Prostituierten Schutz Gesetz, die diesen Sommer erschienen ist und auch einiges an Verbesserungsvorschlägen bereit hält.
Spoiler: von einer (Teil)Kriminalisierung der Branche wird ausdrücklich abgeraten!
Und ich denke daß das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen da durchaus mit Fachkompetenz gesegnet ist, der man vertrauen kann!
Nun wollte der WDR, dem ich seit Ewigkeiten gerne in Funk und Fernsehen folge, auch mich zu diesem Thema befragen.
Als offizielle Speakerin des Berufsverbandes Sexarbeit sagte ich gerne zu und berichtete dem regionalen Bielefelder Autor alle Fakten zu diesem Thema.
Der Berufsverband Sexarbeit ist der größte Verband dieser Art in Europa und steht für die Belange aller in der Sexarbeit tätigen Personen ein, egal ob Straßenstrich oder (Edel)-Escort, egal ob Tantramassage oder BDSM Studio, Saunaclub oder Privatwohnung das Arbeitsumfeld bilden.
Menschenhandel, Zwangsprostitution etc. stellen schwere Straftatbestände dar die mit legaler Sexarbeit absolut nichts zu tun haben! Diese sind nach geltendem deutschen Recht zum Glück ahndbar!
In den meisten europäischen Ländern ist Sexarbeit zum Glück legal. Wichtig ist eine Tätigkeit im Hellfeld da sonst etwaige Probleme kaum ans Licht kommen können.
Untersuchungen und Evaluationen zu den Gesetzen in Schweden und Frankreich sprechen eine klare Sprache.
Kontrolle, Prävention und Opferschutz sind in diesen diesen Ländern leider kaum mehr möglich.
Namhafte NGOs, vertraut mit (sexueller) Gesundheit und auch schwierigen Arbeitsverhältnissen bis hin zum Menschenhandel raten dringend zu mehr Transparenz und somit Möglichkeiten um Missstände in der Sexarbeit aufdecken zu können.
Hier seien beispielhaft genannt:
der KOK bundesweite Koordinierungskreis gegen Menschenhandel, Amnesty International, Diakonie Deutschland und auch der SKF Sozialdienst katholischer Frauen auch als Träger vieler (niederschwelliger) Beratungsstellen und Sozialarbeit im Umfeld der Sexarbeit, die deutsche AIDS Hilfe, Pro Familia, weite Teile der VERDI Gewerkschaft etc.
Mehr zum Thema Sexkaufverbot und weiterreichende Links finden sich auch in meinem Blog (mit entsprechenden Links) unter:
https://madamekali.de/Freierbestrafung_Sexkaufverbot_nor disches_modell.html
Was wolltet ihr, lieber WDR also nun?
Der Frau Klöckner einseitig nach dem Mund reden?
Oder eine Berichterstattung die eines öffentlich-rechtlichen Mediums würdig ist?
Was sollte meine Rolle sein? Der des Feigenblattes? Voilá, dann entrolle ich mal das Papyrus:
Wo war die Hinwendung zu den oben schon genannten Experten?
Stattdessen wird ein Straßenstrich bei Köln aufgesucht, im Schlepptau die designierte Prostitutionsgegnerin Barbara Schmidt, welche nach bevormundender Maxime sich nicht um die Belange der Sexarbeitenden interessiert, sondern lediglich mit moralischem Zeigefinger gegen alle „Freier“ wettert, moralinsaurer Männerhass in Reinform.
Was genau wollte der Autor Carsten Upadek damit erreichen?
Eine Reportage über die Prostitutionsgegnerin Barbara Schmidt machen?
Er habe gehört daß Rockerbanden... soso... Was genau erzählt er nicht, auch fehlt jegliche Quellenangabe. Aber er hat damit eindeutig emotionalisiert wo es doch um Sachlichkeit gehen sollte.
In geradezu übergriffiger Weise werden Sexarbeitende in Wohnwägen ohne vorherige Anmeldung aufgesucht ob sie sich filmen lassen wollten?!
Meint er etwa daß diese Sexarbeitenden sein Spiel nicht durchschauen?
Natürlich zogen die sich bei solch einem Überfallkommando zurück, darüberhinaus sind in solch prekären Situationen arbeitende Menschen oftmals auch nicht geoutet.
Sie sind ohnehin nur zum Arbeiten hier, vielleicht 1 oder 2 Wochen - danach fahren sie wieder in ihr eigentliches Leben mit hoffentlich genug Geld. 50€ pro Gast, wenn sie Glück haben 5-8 Gäste am Tag - soviel bekommt man ohne Ausbildung und mit teils mangelnden Deutschkenntnissen sonst nirgends!
Und auch die mit Vorhängeschlössern versehenen Handwerkerbullis, die später noch an ganz anderer Stelle gefilmt werden, gesichert gegen Einbruch und Diebstahl des dort vermutlich innen liegenden Werkzeuges, werden kurzerhand zur Prostitutionsstätte erklärt – warum?
Weil es sich so schön als „Elend“ deklarieren lässt?
Weiss Herr Upadek eigentlich daß die Straßensexarbeit gerade mal 8-10% ausmacht, sich hier gerade auch Menschen tummeln die nirgends anderswo unterkommen (Straße eben!) und mitnichten ein repräsentatives Beispiel für die Sexarbeit sind?
Armut wird als weiterer stigmatisierender Begriff eingeführt, gerade auch die migrantischen Kollegys aus „armen Verhältnissen“ in Bulgarien.
Ist es denn verwerflich mit Sexarbeit dem zu entkommen wollen?
Sind Erntehilfe, Fabrikarbeit, Putzjobs, Pflege, Callcenter etc. die besseren Alternativen?
Für viele von uns nicht, wir kennen oftmals nur allzugut diese „Alternativen“ die für uns eben nicht oder nicht mehr in Frage kommen.
Freiwillig machen wir alle kaum unsere Arbeit, egal in welchem Berufszweig wir unterwegs sind. Sexarbeit ist für viele von uns das kleinere Übel.
Sexarbeit ist ähnlich vielfältig wie Gastronomie: von der kleinen Pommesbude über den Cateringservice, die Pizzeria an der Ecke, das vegane Restaurant, dem Biergarten bis zur gehobenen Michelinsterneküche findet sich alles.
Schlechte, illegale und stigmatisierende Strukturen möchte keiner.
Legale und sichere Arbeitsplätze im Hellfeld, wo Zwang und Ausbeutung keine Chance haben.
Dafür kämpfen wir, die #Hurenbewegung, welche es seit Beginn der #Frauenbewegung gibt.
Hier im Namen des Berufsverbandes #BesD und vieler anderer NGOs und Aktivistisch tätigen Personen!
Eure
MadameKALI
Der besagte Beitrag ab Minute 6:30 ca
Hier im Anhang die Evaluationen und weitere Quellen
1) Evaluation des ProstSchG ProstituiertenSchutzGesetz von 2017 in Deutschland:
https://kfn.de/forschungsprojekte/evaluation-des-prostituiertenschutzgesetzes-prostschg/
2) Evaluierte Realitä in Irland/Nordirland:
Die offizielle Evaluierung des Justizministeriums in Nordirland (2019) fand keinen Nachweis dafü, dass die Kriminalisierung der Käfer die Nachfrage senkt. Gleichzeitig zeigten sich Risiken: stäkere Stigmatisierung, Verlagerung in unsichere Settings, schwierige Durchsetzbarkeit. Kurz: Die versprochene Wirkung bleibt aus, die Nebenwirkungen treffen die Betroffenen.
3) Kanada: dokumentierte Schäen seit PCEPA (2014):
Peer-reviewte Public-Health-Forschung aus Vancouver und nationale Analysen zeigen nach der Klientenkriminalisierung konsistent: weniger Zeit zum Screening, geringere Verhandlungsmacht, erschwerte Kondomnutzung, mehr Gewalt und schlechtere Zugäge zu Schutz und Gesundheit. Der Justizausschuss des Unterhauses empfahl 2022/23 folgerichtig eine Kurskorrektur, weil PCEPA Sexarbeiterinnen nachweislich schadet.
https://bmjopen.bmj.com/content/12/11/e061729
https://www.ourcommons.ca/Content/Committee/441/JU ST/Reports/RP11891316/justrp04/justrp04-e.pdf
4) Internationale Fachgremien: Entkriminalisierung schüzt:
Die WHO und Partnerprogramme (UNAIDS u. a.) empfehlen seit Jahren die Entkriminalisierung einvernehmlicher Sexarbeit, weil Kriminalisierung Sicherheit, Gesundheit und Rechte untergrät; Modellierungen zeigen substanzielle Vorteile fü Präention und Versorgung. Amnesty International beschloss 2016 nach globaler Evidenzprüung dieselbe Linie. Diese Empfehlungen schließen konsequente Maßnahmen gegen Zwang, Kinder- und Menschenhandel explizit mit ein – aber ohne pauschale Kriminalisierung der einvernehmlichen Arbeit.
https://www.who.int/teams/global-hiv-hepatitis-and-stis-programmes/populations/sex-workers
5) Amnesty Policy (2016): https://www.amnesty.org/es/wp-content/uploads/2021/05/POL3040622016ENGLISH.pdf
Amnesty Explanatory Note (2016): https://www.amnesty.org/ar/wp-content/uploads/2021/05/POL3040632016ENGLISH.pdf