Nachdem ich mich ein wenig in mein Metier eingearbeitet hatte wurde es nun Zeit für einen Blick über den Tellerrand. Wie steht sie da, die Sexarbeit in der Gesellschaft?


An vielen Ecken wird herum gemeckert und kritisiert, so ziemlich von allen Seiten. Die Sexarbeiter,*innen selber (so ziemlich alle, nicht nur die im Berufsverband BesD organisierten) AIDS Hilfe, Amnesty International und Terre des Femmes (Schweiz) kritisieren vor allem das neue seit 2017 in Kraft getretene ProstitutionsSchutGesetz (ProstSchG), da es keine einzige Sexarbeiter*in mehr also vorher schützt und lediglich mit Restriktionen aufwartet. Die Prostitutionsgegner*innen möchten am liebsten die gesamte Branche/Berufszweig abschaffen, da sie der Ansicht sind dass solch ein Job per se ja nur Mist sein kann und nie und nimmer jemand so was freiwillig macht. Die es dennoch freiwillig machen würden einen dermaßen geringen Anteil ausmachen dass sie ausgeklammert werden in der Diskussion.


Mal abgesehen von dieser absolut unliberalen Einstellung „Gehörst du zu einer Minderheit brauchen wir uns um deine Belange nicht zu kümmern“, frage ich mich, woher die ihre Zahlen haben!


Das BKA (Bundeskriminalamt) schreibt für das Jahr 2017 von 327 Verfahren wegen sexueller Ausbeutung (489 Opfer und 523 Tatverdächtige) (Quelle: www.bka.de Stand April 2019), demgegenüber steht die Zahl von 400.000 Sexworker*innen gesamt. (Quelle Wikipedia, April 2019) Das wäre dann ein Prozentsatz von 0,12%. Gehen wir davon aus dass diese Zahl mal von Alice Schwartzer in den 1980er Jahren künstlich hoch gepusht wurde (die Beratungsstelle Hydra sprach damals von 200.000 Sexworker*innen in der BRD)  steigt diese Zahl nun auf 0,24%. Auch wenn man sich jetzt eine entsprechende Dunkelziffer dazu hochrechnet so sieht man doch die Relevanz dieser Zahlen. Damit möchte ich absolut nichts beschönigen, jeder einzelne dieser Fälle ist furchtbar und einer zu viel! Jedoch deswegen einen ganzen Berufszweig in die Illegalität zwingen?


Was treibt diese Leute an? Sind es gar moralische, puritanische Gründe die sie so entscheiden lassen?


Vor nicht allzu langer Zeit waren es doch wir Feminist*innen die gesagt haben „Der Sieg der Prostituierten nach Anerkennung ist ein Sieg für alle Frauen.“


(Black women for wages for Housework USA 1977)


Denn die (hauptsächlich) von Frauen ausgeführte Vorsorge Arbeit bekommt endlich ihre Anerkennung. Und das ist in unserem kapitalistischen System nun mal bare, klingende Münze. Denn mit dieser Art Wertschätzung kann ich am sozialen Leben teilhaben!



Und dann stieß ich auf eine Dissertation, Fachgebiet katholische Theologie in der Reihe „Studien der Moraltheologie“ mit dem Titel „Prostitution, Überlegungen aus ethischer Perspektive zu Praxis, Wertung und Politik“.


(LIT Münster 2009/2010)


Trotz dieses nun sehr strengen Hintergrundes kommt die Autorin Béatrice Bowald zu dem Schluss, dass Verbote oder Modelle wie Freierbestrafung absolut kontraproduktiv sind wenn es darum geht Sexarbeiter*innen zu schützen bzw. ihnen zu helfen aus „dem Milieu“ herauszukommen.


Und ich dachte bei mir, schau, welche Moralapostel auch immer nach der Prohibition schreien, hier wird mal vernünftig wissenschaftlich was analysiert anstatt dem platten Populismus nach schwarz/weiss, gut/böse etc. zu frönen.



Und ich kämpfte mich durch die 300 Seiten dieses Werkes katholischer Theologie.



In den ersten beiden Kapiteln geht es um die Begriffsbestimmung und Einordnung der Prostitution in unserer Gesellschaft – sie existiert nun mal und wird auch nicht mit Verboten abgeschafft werden können. Sie geht auch auf verschiedene Aspekte der Prostitutionsbewegung ein, auch hier gab es ja mal einen feministischen Ansatz. Nichtsdestotrotz hat die Autorin eine ablehnende Haltung zur Prostitution die sie klar in religiösen Rahmen strukturiert. Neben dem bei der Taufe abgegebenen Versprechen zur Keuschheit verweist sie auch auf den Katechismus der Kirche.



Das dritte Kapitel definiert die Bedeutung von gesellschaftlicher Anerkennung. Neben der sozialen Anerkennung kommt auch der ökonomischen eine zentrale Bedeutung zu. Dies gilt auch für die Arbeit im Bereich der Prostitution.


Da sie keine allgemein verbindliche Norm als Grundlage definieren kann schlägt sie im Kapitel 4 das Konzept Toleranz statt Anerkennung vor.



Kapitel 5 “Zur Auseinandersetzung um Sexualität und Körperlichkeit“ schlägt mit ganzen 83 Seiten zu Buche. Darin wird zunächst ein geisteswissenschaftlicher Blick auf das Thema geworfen, Stichpunkte Postmoderne Sexualität, Erfahrungsbereich auch abseits von festen Partnerschaften, Tauschgeschäfte im Zusammenhang mit Sexualität etc. Ist Sexualität mittlerweile (durch Prostitution) zu einem Konsumgut geworden? Gibt es Konsumgüter die auch bereichern können und nicht nur stumpf konsumiert werden? Der Kantische Ethikansatz wird vorgestellt: eine etwaige Herabwürdigung liegt nicht in der Prostitution als solcher, sondern erst in entsprechender Absicht. Auch sei Prostitution ein Ort für „normale heterosexuelle Aktivität“, abgeleitet von hierarchischer Geschlechterrelation.



Dann wird ein sehr ausschweifendes Leitbild zum Thema „Sexualität in Beziehung“ aufgestellt:


Der geneigte Leser wird es ahnen: hier kommt die Katholik richtig zum tragen. Zum einen wird natürlich die Sexualität in festen Beziehungen vorangestellt, da der Mensch sich ja in Beziehungen, in Verschiedenheiten wiederfindet. Diesen Brückenschlag habe ich nicht verstanden, er wird auch nicht näher erläutert. Es wird weiter darauf hingewiesen dass Mann und Frau (sic!) darauf angewiesen seien als nicht austauschbare Personen auch sexuell Anerkennung zu finden.


„Personale Begegnung stellt den Anspruch auf Exklusivität der körperlichen Intimität.“ (S. 100) Naja, bis dass der Tod euch scheidet.


Doch ist die Ökonomisierung der Sexualität in der Prostitution ein moralisch legitimer Lebensentwurf?


Lust als Sinnbestimmung für Sexualität allein greift der Autorin nicht weit genug, sie sieht es (nach Paulus, ja genau der aus dem Neuen Testament mit seinen Briefen an die Korinther) als eine Dimension des Mensch-Seins was über den Moment hinausgeht und somit auch die Möglichkeit der Erfahrung der Transzendenz eröffnet. Bei ausschließlicher Lust (Stichwort Reizapparat Körper) würde die Sexualität als abgespalten erlebt werden.


Doch kann auch der Körper „gebraucht“ werden und als Sache behandelt werden ohne dass die Personeneigenschaften davon beeinträchtigt werden. Denn die Verfügungsgewalt über den eigenen Körper ist ernst zu nehmen.


Anstößig ist für die Autorin letztlich der Zweck der mit Prostitution erreicht werden will (begrenzte Nutzung des Körpers gibt es ja auch bei anderen körperlich arbeitenden Menschen).



Für Prostituierte stelle der Job eine „Zumutung besonderen Ausmaßes“ dar. Es ist von Abspaltung die Rede, wobei ich mich frage warum wir in gesellschaftlich anerkannten Jobs mit viel körperlicher und geistiger Nähe (z.B. Gesundheitswesen) mühevoll und dezidiert das Thema „professionelle Distanz“ einüben?! A pro pos Reproduktionsarbeit (eine typische unbezahlte Frauenarbeit) ist ja in der Prostitution erstmals bezahlt – für die Autorin ist dies nicht emanzipatorisch da es ja tradierte Geschlechterbilder verfestigt.



Das sechste Kapitel widmet sich dem Phänomen der Prostitution und der darin involvierten Personen.


In erster Linie finden Frauen den Weg über Bekannte, eine Freundin die das auch macht  etc. Der Zuhälter o.ä. sind es zumindest nicht. Finanzielle Gründe stehen dabei ganz oben, dies nicht nur aus „Not“ heraus sondern auch um einfach einen besseren Lebensstandart zu haben. Die meisten der Kunden sind „anständig“ laut den Frauen. Eine Studie über die Arbeitszufriedenheit bei Prostituierten besagt übrigens dass sich ¼ wesentlich besser fühlen als die Kontrollgruppe, ¼ fühlt sich wesentlich schlechter. Dies korreliert übrigens mit den Arbeitsbedingungen (kein Straßenstrich etc!)


Sinngebung und Existenz eines positiv besetzten Lebens außerhalb des beruflichen Kontextes sind wichtige Faktoren in Bezug auf persönliches Wohlergehen und kompensatorische Fähigkeiten für den Job. Eine Studie von 2003 über Frauen in Deutschland stellt bei Prostituierten häufiger körperliche und psychische Probleme fest, dies liegt aber weniger in der Prostitution selbst als vielmehr in der Stigmatisierung bezüglich der Arbeit. (vgl. Vanwesenbeek)


Und dann gibt es ja seit dem Fall des eisernen Vorhangs auch noch viel Arbeits-Migration aus Osteuropa. Diese Pendelmigration ist ebenso anzutreffen bei Menschen die in anderen Berufen arbeiten, z.B. Pflege- oder Reinigungsbereich. Hier wird auch auf die aktuellen Zahlen des BKA hingewiesen: 2003 gab es 1.235 Opfer im Bereich der Zwangsprostitution in Deutschland, in den UK seien es 5-25% der Migrantinnen.



Das Fazit aus diesem Kapitel: weder dramatisieren noch schön reden, Prostitution birgt ein höheres Gefährdungspotential als andere Dienstleistungsbereiche. Oft fehlt es an persönlichen Ressourcen oder Voraussetzungen. Das Augenmerk ist verstärkt auf strukturelle Rahmenbedingungen zu richten da sie einen wesentlichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden der Prostituierten haben.


Die von der Autorin angestrebte Entstigmatisierung relativiert nicht ihre oben angebrachte Wertediskussion.


Auch Prostitution kann aus ethischer Sicht eine Würdigung erfahren wenn sie nicht in sich selbst sondern nur mittelbar einen Sinn  macht. Also z.B. die Kinder vernünftig durchbringen, nicht aber der sexualisierte Lebensentwurf von Dometat.



Dann wird das Thema im 7. Kapitel noch aus theologisch-ethischer Perspektive beleuchtet.


Sexualität als Genuss und Sinnesfreude ist zwar eine der Guten Gaben Gottes, jedoch schließt die Autorin unpersönliche Sexuelle Begegnungen aus da die Selbst- und Nächstenliebe nur mit ganzheitlichem personalen Engagement denkbar ist. Auch die vollumfängliche Annahme als Person kann nur dann stattfinden wenn sie frei geschenkt wird. Sexualität stellt ein Modell von Sprache und Mitteilung dar, sie ist keine Analogie wie Hunger und Durst.


Auch die Bibel wird wieder heran zitiert, da Sexualität ja ein zutiefst personales Geschehen zwischen einer Frau und einem Mann sei. (sic!)


Die Motivationen der Prostitutionskunden sei generell abzulehnen (Sex), die der Prostituierten nicht. (Ökonomische Frage)


Auch hier wird wieder im einzelnen ein Leitbild entworfen, sie mag Prostitution eben nicht als Teil eines gelungenen Lebens verstehen. Jedoch stellt solch ein Leitbild nur ein Sinnangebot dar, „...weshalb es falsch wäre das Anbieten und den Erwerb sexueller Dienstleistungen aus diesem Grund verbieten zu wollen.“ (S. 222)


Gleichheit gilt für alle Menschen, auch für Prostituierte oder Puffbesitzer.


Sie sieht sich dem christlichen Grundsatz den Benachteiligten gegenüber verpflichtet.


Ein moralischer Dissens ist bei ethischen Fragen zum Umgang mit Prostitution nur wertend, was gebraucht wird sei aber eine Verständigung darüber wie sich die Lage von Prostituierten verbessern lässt.



Kapitel 8 widmet sich Recht und Moral – es wird politisch


Bei ethischen Konflikten nach dem Strafrecht zu rufen löst keine Konflikte. Der Grundsatz Recht auf Wirtschaftsfreiheit, jede erwachsene Person ist frei in ihren Entscheidungen, daher werden Kinder oder Zwang/Gewalt auch ganz klar außen vor gelassen. „...das Problem des Frauenhandels und der Zwangsprostitution <ist> gar nicht so groß wie oft angenommen (was aber keinesfalls heißt dass das Problem selbst deswegen nicht weniger schlimm wäre.)“ (S.253)


Prostituierte gegen ihren Willen zu schützen bedeutet aber sich an der Menschenwürde eben dieser Personen zu vergehen , an ihre geschützten Freiheit der Selbstbestimmung. Denn auch Prostitution kann ein Ausgangspunkt von  Freiheitsentwürfen sein, ebenso wie jede andere in Wert gesetzte Arbeit auch.


Sie plädiert für eine Prostitutionspolitik die Prostitution nicht nur toleriert, sondern respektiert – Prostituierte sollen nicht sich selbst überlassen werden.



In Kapitel 9 werden verschiedene Modelle der Prostitutionspolitik vorgestellt.


Prostitution wird es so lange geben wie es Menschen gibt die darin eine Möglichkeit sehen Geld damit zu verdienen. Verbotsregime verschlechtern die Sicherheitslage von Prostituierten.  DIE ideale Lösung wird es nicht geben, ein Ausgleich zwischen verschiedenen Anforderungen muss gefunden werden.



Im letzten und 10. Kapitel entwirft sie Leitlinien für Gesellschaft und Politik


Welche moralische Wertung auch immer – den Menschen (Prostituierten) steht eine allfällige Wertung zu wie allen anderen Bürgern auch inklusive sozialer Sicherung, dies ist verbrieftes Recht. Auch Prostitutionstätigkeit ist eine Erwerbsarbeit, man kann hier nicht einfach eine Ausnahme machen von den sonst üblichen gesellschaftlichen Begebenheiten.  Ein Zusammenleben muss geregelt werden trotz teils unüberbrückbarer weltanschaulicher Differenzen.


Der Exklusion von Prostituierten muss entgegengewirkt werden, es gibt einen großen Handlungsbedarf. Sie steh für eine Regulierung, einen differenzierten Umgang ein, für eine abgestufte Anerkennung.


Denn verboten werden, abgeschafft werden kann die Prostitution nicht, lediglich in die Illegalität (zurück)getrieben und somit mit noch mehr Restriktionen für alle Beteiligten, vor allem für die sexarbeitenden Frauen.



 


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Als Anhang dann noch eine „kurze“ Zusammenfassung des Ganzen für die, die ein wenig tiefer in die Materie einsteigen wollen. (Nur 14 DinA4 Seiten) ;-)


Ich habe es ähnlich strukturiert wie ich seinerzeit beim Studium vorgegangen bin um mir die wichtigsten Sachen aus Werken herauszuarbeiten. Zitate sind als solche kenntlich gemacht und hin und wieder gibt es auch kleine Anmerkungen von mir (ebenfalls kenntlich gemacht)


Am Schluss dann eine Auswahl der Literatur.


Ansonsten wird dem Sinn dieses Werkes nichts hinzugefügt oder weggelassen.



Vorwort: Prostitution ist ein sehr komplexes Thema und sehr weit verbreitet, Verbreitung hat aber mit Moralität nichts zu tun.


Zunächst wird das Thema in dieser Arbeit als Beruf aufgegriffen, eine Klärung des Verständnisses für Prostitution sowie gesellschaftliche Anerkennung aus philosophischer Sicht, Wertung und der Umgang damit.


Dann gibt es philosophisch-ethische bzw. theologische Reflexionen zu wichtigen Dimensionen menschlichen Lebens  und abschließend wird geklärt welche Erfahrungen mit verschiedenen Prostitutionspolitiken gemacht wurden.


Moral und Ethik in dieser Arbeit als wertende Überzeugung gesehen, die von der jeweiligen Weltanschauung geprägt ist.


Ethik wird als wissenschaftliche Reflexion der Moral begriffen.



Kapitel 1: Von einem gesellschaftlich missbilligten, abgelehnten Verhalten zu einem „Job wie jeder andere“: Prostituierte fordern Anerkennung ihrer Tätigkeit


Die Geschichte der Prostitution zeichnet sich durch immer wieder (staatliche) Kontrolle der Prostituierten aus. (S.19)


Der Aufstand in Lyon der Prostituierten in den 1970er Jahren als Anfänge der Prostitutionsbewegung in Europa. Es ging damals um Schikanierung und Schutzlosigkeit durch die Polizei (S.19)


Bis 2002 war Prostitution in Deutschland noch sittenwidrig (S.22)


Prostitution steht nicht (mehr) im Widerspruch mir sexuellem Lustempfinden (S.23)


Als Hauptmotive werden wirtschaftliche Gründe in Kooperation mit Widerstand gegen mangelnde Berufschancen für die Aufnahme der Prostitutionstätigkeit genannt (S.24)


Prostitution stabilisiert überholte patriarchale Männerphantasien 8S.25)


Prostituierte fordern Recht ein über ihren Körper frei verfügen zu können, sie zitiert eine Prostitutionsorganisation (Coyote/USA) „Wir lasen unsere Zeit bezahlen, wir verkaufen nicht unsere Körper oder Seelen.“ (S.26)



Die sexuelle Revolution der 1960er/70er Jahre ging einher mit der Kommerzialisierung der Sexualität, z.B. Pornographie – daher wird auch das Recht eingefordert von Prostituierten das zu tun und auch nicht diskriminiert zu werden (S.26)



Prostituierte als Feministinnen, die die Prostitution regelrecht zelebrieren wollen ist für die Autorin keine Berechtigung zur Forderung nach Anerkennung (S.27)


immerhin soll es in Deutschland ja als Beruf in Hinblick auf die soziale Sicherheit anerkannt werden. (S.28)


Migrantinnen, die ja einen Großteil der Prostituierten ausmachen sind oft illegal hier, „Sie rechtlich und sozial besser zu stellen hieße ihnen einen besseren Zugang zu legaler Erwerbsarbeit zu verschaffen.“ (S.28)


Akzeptanz von Prostitution heißt „...Akzeptanz einer gesellschaftlichen Realität, die nun einmal besteht und nicht abgeschafft werden kann, auch nicht mit Verboten.“ (S.28)


Prostituierte oft in einem sehr anstrengenden Doppelleben → Isolierung und alleine mit Schwierigkeiten (S.29)


Anerkennung ist wichtig für das Selbstbild der Prostituierten, Problem dabei: Sexualität soll kein Handelsware sein (S.29)


Prostitutionsverbot = Risiko für Prostituierte belangt, stigmatisiert zu werden z.B. in puncto Wohnung oder Sorgerecht für Kinder (S.30)


Zum Glück ist Prostitution nicht mehr Sünde oder Verbrechen, ob aber auch (Wahl-)Freiheit bzw. Wertung innerhalb des Geschlechterverhältnisses ist ein anderes Thema (S.31)



 


Kapitel 2 widmet sich dem Begriff und dem Verständnis von Prostitution


Es gibt keine direkte inhaltliche Definition per Gesetz, lediglich die „...Vornahme direkter sexualbezogener Handlungen in direktem Kontakt zum Kunden“ in Abgrenzung zu z.B. Peep-Show, Pornoerstellung, welches andere sexuelle Dienstleistungen sind.Sowohl gelegentliche als auch gewerbsmäßige Ausübung zählen dazu. (S.33)


Prostitution im Sinne erwerbsmäßiger Tätigkeit ist ein Phänomen von Gesellschaften mit Geldverkehr und ein globales Phänomen.


Es ist oft in der Nähe von Männeransammlungen wie Messen oder Kasernen anzutreffen (S.36)


Prostituierte sind keine homogene Gruppe, eon pragmatisches bzw funktionales Verhältnis zur Prostitution lässt sich oft bei Migrantinnen feststellen (S.37)


In dieser Arbeit eine ablehnende Position gegenüber Prostitution, da „Menschenbild in Beziehung zu Gott und somit Prostitution als Verletzung der Würde der Person“ gesehen wird. Verwiesen wird in diesem Zusammenhang auf den Katechismus der Kirche. Ebenso verstoße es gegen die bei der Taufe gegebene Verpflichtung zur Keuschheit. (S.42)


Die philosophische Sichtweise hat im Grundsatz keinen Einwand, sofern denn die Autonomie gewahrt ist. Dann liegt aus philosophisch ethischer Sicht auch keine Verletzung der Menschenwürde vor. (S.43)


Es gibt sowohl unter den Befürwortern wie auch unter den Gegnern der Prostitution Feministen, die das Wohl der Frauen im Zentrum sehen. (S.43)


Es folgt eine Tabelle mit einer Übersicht zu diesen Pro/Contra Argumenten



Kapitel 3 fragt nach der Bedeutung von gesellschaftlicher Anerkennung


Anerkennung ist als Zeichen der Integration zu sehen, sowohl als Individuum, als auch als Rechtsverhältnis (soziale Gleichheit) und als dritte Ebene noch soziale Wertschätzung, der konstitutive Wert für eine konkrete Gemeinschaft (S. 48)


Werden Personen oder Gruppen Rechte vorenthalten kommt dies einem sozialen Ausschluss gleich – mangelnde Wertschätzung bis hin zu Stigmatisierung und somit auch zu mangelndem Selbstbewusstsein. Sie verwendet in diesem Zusammenhang den Begriff „soziale Scham“ für den Achtungsverlust den Mensch erleidet bei minderwertigem sozialen Status (nach Sighard Neckel) (S.49)


soziale Anerkennung über Arbeit wird nicht nur über ökonomische Punkte festgemacht sondern auch über soziale. Hausarbeit und Ehrenamt sind ausschließlich letzterem zuzuordnen, Prostitution ersterem (S. 51)


„Die Forderung nach Anerkennung der Prostitutionstätigkeit als Arbeit lässt sich auf diesem Hintergrund in beide Richtungen interpretieren.“ ökonomisch versus sozial (S. 51)


„Die Sichtweise, die sich durchsetzen wird, wird entsprechende Konsequenzen für das Geschlechterverhältnis haben...“ (S.52)



4. Anerkennung der Prostitutionstätigkeit in welcher Hinsicht?     - Eine Zwischenbilanz


auch hier wieder die 3 Ebenen zwischenmenschlich, rechtlich und gesellschaftlich (S. 53)


Soziale Wertschätzung richtet sich nach dem Wert des Beitrages für die Gesellschaft, wobei die „Gretchenfrage“ auftaucht, welchen Wert eine Gesellschaft der Prostitution beimessen will (S. 54)


eine eindeutige moralische Position in Bezug auf Prostitution ist nicht möglich im Sinne als Grundlage allgemein verbindlicher Normen – das Konzept Toleranz statt Anerkennung wird vorgeschlagen (S. 55)



5. Zur Auseinandersetzung um Sexualität & Körperlichkeit


Sexualität ist in westlichen Industriestaaten mittlerweile ein eigener Erfahrungsbereich und nicht mehr z.B. stringent hetero an Ehe gebunden – ergo sexuelle Tauschgeschäfte als legitime Spielart von Sexualität reklamiert (S. 59)


In diesem Zusammenhang wird Tamara Dometat zitiert mit ihrem Begriff des sexualisierten Lebensentwurfs (S.60)


Elisabeth Anderson: Liebe & Sexualität nur als Geschenke-austausch, nicht als Güteraustausch verstehen, es würden sonst wichtige persönliche und zwischenmenschliche Aspekte unterlaufen (S.63)


(Anm.: da ist sie wieder, die altruistische Fürsorge)


C. Koppetsch unterscheidet zwischen dem Moment der Liebe und der der Partnerschaft: ersterer Gabentausch, zweiteres als Austausch äquivalenter Leistungen (S. 64)


E. Anderson warnt vor einem Domino Effekt: „...wenn die kommerzialisierte Form erst einmal toleriert ist, würde diese Überhand nehmen und die nicht kommerzialisierte Form zurück- oder ganz verdrängen.“ Außerdem sei unpersönliche Sexualität minderwertig (Anm.. sic!), degradiert und degradiert auch die Person die es verkauft (S. 65f)


Angelika Krebs kritisiert dies stark, denn dann wären viele (auch nicht käufliche) Formen der Sexualität minderwertig (S.66)


N. Campagna sieht keinen Grund sexuelle Güter nicht auch im Rahmen unpersönlicher Begegnungen zu tauschen


warum Trennung von Gütern zum Tausch und welche nicht zum Tausch?


Und als Tausch ggf. mit intrinsischem Wert


Sexualität wird durch Prostitution nicht zum bloßen Konsumgut durch Prostitution. Außerdem gibt es Konsumgüter die nicht nur Konsumgut sind, sondern auch bereichern können


Campagna übt lediglich Kritik am System der Organisation der Prostitution, da somit die Gefahr der Ausbeutung gestiegen sei (S.67)


Er legt den kantischen Ethikansatz zugrunde „...solange Teilnehmer an einer Praxis sich gegenseitig respektieren – aber auch: solange jeder sich selbst respektiert -, das heißt, solange sie sich immer auch als Zwecke an sich betrachten, als Wesen, die auch noch außerhalb der betreffenden Praxis das Recht und die Möglichkeit haben sollen, ihre selbstgesetzten Zwecke zu verfolgen, kann die Praxis aus moralischer Sicht nicht verurteilt werden.“


Herabwürdigung liegt also nicht in der Prostitution als solcher, sondern erst in entsprechender Absicht (S. 68)


W. Lenzen spricht vom Nicht-Schaden-Prinzip, praktizierter Sex dürfe nicht gegen die Interessen der Beteiligten verstoßen (S. 69)



Postmoderne Sexualität:


zeichnet sich aus durch: Unabhängigkeit der Erotik (Freiheit), sexuelles Vergnügen um seiner Selbst willen mit dem (mittlerweile) Status einer kulturellen Norm


Es handelt sich vielmehr um Erregungssucher und -sammler, die „...nicht wirklich berührt werden bei Prostitution, somit auch keinen Treuebruch begehend.)(vgl. Zygmunt Baumann) (S. 70)


Nachteil dieser Ansätze sieht die Autorin darin, dass sie in „...klinisch gereinigtem Zustand...“ betrachtet werden und geschichtlich geprägte Bedeutungen (z.B. Unterschied der Geschlechter) nicht betrachten (S. 73)



Wer geht zu Prostituierten?


Hydra e.V sagt 75% aller Männer


S. Mankert („Freier Studie“) sagt 18% aller Männer, das wären in Deutschland aber immer noch 4,5 Mio.


Das Gesundheitsamt Schweiz spricht von 10-15% (S.77)


hauptsächlich sind es Singles und Geschiedene


eine schwedische Studie von 1996 besagt, dass Prostitutionskunden höhere Scheidungsraten aufweisen (S.80)


für mache ist Prostitution die einzige Möglichkeit Sex zu haben (S.82)



Prostitution als Ort für „normale heterosexuelle Aktivität“ abgeleitet von hierarchischer Geschlechterrelation (S. 84)


Männer brauchen sich nicht auf die Wünsche des Gegenübers einlassen, können sich selber ausleben und behalten so die Kontrolle über die Situation (S. 86)


mir persönlich unverständlich wird jetzt der Bogen gespannt zur „allzeit verfügbaren Frau“  weswegen Debra Satz den Grund sieht für die Ablehnung von Prostitution (S. 87)


Prostitutionskunden hegen die Phantasie einer romantischen, gegenseitig gewollten erotischen Begegnung innerhalb eines klar gesteckten Rahmens


(S. 88) und sie seien auf der Seite der Ungleichheit der Geschlechter zu verorten (S. 89) (Anm.: warum das so sei wird nicht erklärt)



Leitbild „Sexualität in Beziehung“


Mittlerweile haben wir ein mediales Bild von Sexualität als „Feld des unverbindlichen Vergnügens“ mit Minimalmoral Zustimmung und einem Nicht-Schadenprinzip. Promiske Verhältnisse sind aber in der Realität Einzelfälle    (S. 91)


Real nehmen auch bei Jugendlichen feste Beziehungen zu, innerhalb derer Sexualität auf dem Hintergrund von Intimität, Halt und Konstanz gelebt wird (S.93) - Begriff „Sexualität der Zugehörigkeit“ nach Jürg Willi (S. 94)


aber Sexualität als Lust verstehen, unbändig und ungebunden, daher nicht zwangsläufig mit Liebe, Person oder Beziehung verbunden (auch Willi, ebenda)


ohne feste Liebesbeziehung gilt es die sexuelle Interaktion auszuhandeln, Sexualität ist kein Beziehungszeichen (Kornelia Sammert) (S.94)


das ist für die Autorin aber kein Leitbild, sie will Sexualität in Beziehung weil:


„...weil der Mensch sich nicht in Abschottung sondern in Beziehungen, in Verschiedenheiten wiederfindet, als soziales Wesen und Individuum:“ (S.96)


(Anm.: Ja, das stimmt – aber was hat das nun mit Sexualität und Prostitution zu tun?!)


Liebesbeziehungen (nach Willi) „...als Medium der Entfaltung, Entwicklung und Verwirklichung des intimsten persönlichen Bereiches.“ 8S. 96)


(Anm.: sind ja hehre Ziele!)


Die Kehrseite Destruktivität in Beziehungen wird auch kurz erwähnt.


in Paarbeziehungen könne der Mensch in der Welt zu Hause sein wie es andere Möglichkeiten kaum gibt (vgl. R. Welter-Suderlin S. 97)


(Anm.: na dann schaffen wir sie doch, diese Möglichkeiten! Vielleicht endlich auch mal abseits der monogamen, patriarchalen Paarbeziehung!)


In der Sexualität geht es um Anerkennung als besondere Person und um Verkörperung von Geschlecht – in der Prostitution ist die Person austauschbar (S.98) (Anm.: wie in jedem anderen Job auch!)


Sexualität mit großem Stellenwert bei Entwicklung von Identität und Individualität (sieht man leider oft an negativ Beispielen) . Prostituierte müssen sich sorgsam schützen um ihre Integrität zu wahren und ihr Selbstbild als individuelle Frau zu schützen (S. 99)


Für Identität, um Sexualität nicht abgespalten zu erleben „...sind Mann und Frau (Anm.: sic!) darauf angewiesen, als unverwechselbare und nicht austauschbare Person auch sexuell Anerkennung zu erfahren.“ (S.99)


(Anm.: ich finde es ja wesentlich gesünder den anderen als austauschbar zu erleben da man sich ggf. aus unguten Beziehungen einfach verabschieden kann. Der „Bund fürs Leben“ hat für mich keine Relevanz, von der Blutsfamilie mal abgesehen!)


„Personale Begegnung stellt den Anspruch auf Exklusivität der körperlichen Intimität.“ (S. 100) (Anm.: HUST!!!)


Karl Lenz als Romantiker rundet das Unterkapitel 5.3.1.3 „Warum das Leitbild Sexualität in Beziehung sinnvoll ist“ dann wie folgt ab:


Liebesbeziehung in Dauer „...ein schier grenzenloses Interesse an der anderen Person auszubilden.“ (S.100)


(Anm.: spare ich mir, das wird unflätig..)



Sexualität schläft oft ein in langlebigen Beziehungen,Intimität und Liebe haben höheren Stellenwert (S. 101) es wird zu einem Intimitätssymbol, was mit keinem anderen geteilt werden soll (S. 102)


Gendering: Anfangs Verlangen nach Sex & Zärtlichkeit ausgewogen, später beim Mann eher Sex, bei der Frau eher Zärtlichkeiten (S. 103)


Beziehungsscheitern liegt nicht (allein) im Bereich der Sexualität (S. 105)


Balance in Beziehung wichtig zwischen Bindung und Freiheit aber auch Sehnsucht nach Sex bzw. Liebe (S. 106)


Exkurs zum Sündenfall und daraus resultierend Erlösungsbedürftigkeit des Menschen → so was kann man nicht als Paradies auf Erden in einer Liebesbeziehung haben (S. 107)



Ökonomisierung der Sexualität in der Prostitution als moralisch legitimer Lebensentwurf? Heißt ein weiteres Unterkapitel



Alleine an dem Leitbild zur Sexualität lässt sich das nicht fest machen, wie schon auch der erwähnte Moralphilosophische Zugang bewies.


Der sexualisierte Lebensentwurf (im Sinne von Sinnbestimmung) nach Dometat leuchtet ihr nicht ein, da ihr der Sinnhorizont auf alle Lebensbereiche fehlt (lediglich die Sexualität sei ja erklärt).  Des weiteren würde ja, wenn eine Prostituierte oder eine ihrer Kunden Sexualität außerhalb der Prostitution ausleben würde, ihrem Lebensentwurf untreu werden, es steht dann ja nicht mehr unter dem selbsternannten Sinnhorizont(S. 109)


Problematisch sieht sie das soziale Gefälle in der Prostitution, die meisten Frauen machen es des Geldes wegen. (S. 114)


Lust als Sinnbestimmung für Sexualität greift der Autorin nicht weit genug, sie sieht es (gemäß des Leib- & Sexualverständnisses bei Paulus) als personal-kommunikativen Vollzug, als eine Dimension des Person-Seins (anstatt abgespaltenem Bereichs) in der sich Menschen zur bedingungslosen Annahme herausfordern, was über den Moment herausgeht (Vergangenheit und Zukunft mit einschließend) was schließlich die Möglichkeit der Erfahrung der Transzendenz eröffnet. (Anm. sic!) (S. 115)


Also keine ausschließliche Lust, da dies ja den Körper zu einem Reizapparat degradiert (Trieb- oder Bedürfnismodell) was dem leiblich verfassten Menschsein ja nicht gerecht wird. (S.116)


Körperlicher Vollzug statt leibliches Geschehen trennt Körper und Selbst (S. 117) (Anm.: in der Anthropologie werden Mensch und Tier aufgrund des Bewusstseins, ihnen inhärent ist unterschieden. Während das Tier der Körper IST und sich über diesen definiert HAT der Mensch einen Körper, den er mit seinem Selbst/Geist/Bewusstsein bewohnt. Daher haben wir auch die Fähigkeit zu abstrahieren).


Der Körper ist jedoch nicht nur Objekt sondern verkörpert Person – ist nicht austauschbar (S. 117)


theologisch ist Menschsein eine Einheit von Körper/Leib/Seele & Geist (S. 18)


Leib ist nicht nur Selbst-sein, sondern auch (soziales) Mit-Sein. Das Medium mit dem wir mit anderen Menschen in Kontakt treten und auch als Personen identifiziert werden (kommunikative Dimension des Leibes, nach dem Apostel Paulus) (S. 119)


Aber der Körper kann auch „gebraucht“ werden und somit als Sache behandelt werden ohne dass wir uns hiervon in unserer Personeneigenschaft beeinträchtigt sehen. (vgl. B. Herrmann) (S. 120)


Die Verfügungsgewalt über den eigenen Körper ist ernst zu nehmen. (S. 120)


Prostitution ist außerhalb der Norm da


-Leitbild Sexualität der Lust


- keine Gewähr für Geschlechtergerechtigkeit (Anm.: das haben wir in dieser patriarchalen, monotheistischen Gesellschaft nirgendwo!)


- kein Rahmen für Entfaltung der eigenen Person bzw. Umfeld (S. 122)



Nach S. Schwarzenbach der Vergleich von Tänzerin und Prostituierter:


beide sind in ihrer Tätigkeit nicht von ihrer Körperlichkeit zu trennen (Anm.: Handwerker und Musiker übrigens auch nicht)


wenn frei zur Entscheidung, frei in der Handlung kein relevanter moralischer oder rechtlicher Unterschied. Prostituierte hat ja auch nicht das Privateigentum Körper verkauft, sondern nur deren begrenzte Nutzung gestattet (S. 126)


Vermarktung des eigenen Körpers auch anderorts, z.B. Werbebranche


„Was die Vermarktung des eigenen Körpers in der Prostitution anstößig macht ist letztlich der Zweck, der damit erreicht werden will.“ (S. 129)



Kritik an möglichen Arbeitsbedingungen für Frauen als Grund zum Einstieg in die Prostitution z.B. Hähnchenfabrik (S. 132)


Kritik: auf Frauen projizierte Bilder werden in der Prostitution von Männern ausgelebt – wozu soll es gut sein? (S. 133)


Professionalität in Prostitution bedeutet physische und psychische Verletzbarkeiten zu minimieren bzw. auszuschalten was Techniken der Distanzierung vom eigenen Körper bedeuten würde. (S. 133)


(Anm.: in anderen psychisch und physisch anspruchsvollen Jobs wie z.B. im Gesundheitswesen spricht man von einem professionellen Abstand den man zum Geschehen und Klientel einzunehmen hat – nur in der Prostitution wird daraus auf einmal die ungesunde weil abgespaltene Distanzierung?!)


Prostitution hinterlässt Spuren in der Körperbiographie (Anm.: das ganze Leben tut das!) was in die Selbstbiographie zu integrieren ist da sonst Gefahr der Spaltung der Persönlichkeit droht (S. 134) (Anm.: siehe oben, ein professioneller Abstand ist keine Abspaltung!)


„Frauen müssen sich mit ihrem Körper auseinandersetzen, weil dieser eine Ikone darstellt die verehrt wird, oder ein Objekt der Begierde ist das beherrscht wird, weil der Frauenkörper in einer männlich geprägten Gesellschaft viel stärker als der Männerkörper ein Medium der Phantasie ist, in dem eingeschrieben wird, was Frauen und Männer von ihm wünschen.“ (H. Harker S.134)


wie auch immer, der Autorin geht es darum herauszukristallisieren, dass es für „...Prostituierte im Grunde genommen eine Zumutung besonderen Ausmaßes darstellt...“ (S. 135)


Studie von Johanna Phoenix mit Prostituierten aus prekären, oft mit Gewalt verbundenen Verhältnissen bezüglich Selbstwahrnehmung: trotz allem, ein souveräner Umgang mit den Begebenheiten scheint möglich, was aber nichts über das Selbstbild aussagt (S. 136 f)


Selbstbestimmung, womöglich noch mit emanzipatorischem Impetus in Bezug auf Prostitution: worin liegt der gesellschaftliche Nutzen? (S. 138)


Reproduktionsarbeit = Frauenarbeit und somit in der Prostitution erstmals bezahlt – ist das emanzipatorisch oder Angleichung an männliche Normen? (S. 139)


Veräußerung sexueller Handlungen (ökonomischer Warentausch) seien per se nicht emanzipatorisch, da sie tradierte Geschlechterbilder verfestigen. Für einzelne Prostituierte schon, da Unabhängigkeit beim Lebensunterhalt und die Erfahrung Begehrt zu werden verleiht Selbstvertrauen (S. 140)


„Liesse sich die Prostitutionstätigkeit als Modell geglückten Lebens rechtfertigen, diente das in erster Linie den Interessen er Männer...“ (S. 141)



6. Kapitel: Prostitution – (K)ein Problem?



Das Phänomen Prostitution die entsprechend involvierten Personen sollen hier beleuchtet werden – nicht im Ganzen sondern als Vertiefung einzelner Aspekte (S. 143)


hauptsächlicher Türöffner zur Prostitution nicht Zuhälter o.ä. Sondern „Nähe zum Milieu“ (Bekannte die das auch machen, Arbeit in Gastronomie in Rotlicht Nähe etc.), dabei stehen die finanziellen Gründe an erster Stelle, nicht nur aus Not heraus sondern auch für mehr Wohlstand (S. 145)


Gewalt von Zuhältern ist nicht Grund für die Aufnahme der Prostitutionstätigkeit aber: häusliche Gewalt von (Ex-)Partnern korreliert mit Prostitutionstätigkeit, es gibt leider nicht genügend Daten um dieses Phänomen zu klären (S. 145 ff)


Der Großteil der Kunden verhält sich anständig, kein die Frauen herabwürdigendes Gebaren  etc. (S. 151)


Studien EVA-Projekt (1990er Jahre) und bundesweite Erhebung von 2003 besagen dass Prostituierte in Kindheit & Jugend oft mit (sexueller) Gewalterfahrung bzw. schwierigen Lebensereignissen – ob das auch auf Migrantinnen zutrifft bleibt noch zu klären (S. 152)


Für Migrantinnen eigene (Heimat-)Familie wichtige emotionale Unterstützung, auch wenn die von der Arbeit als Prostituierte nichts weiß (S. 155)


generell problematische Frage: wie Partner außerhalb des Sexmilieus finden? (S. 155)


Studie von Vanwessenbeek zur Arbeitszufriedenheit bei Prostituierten:


¼ fühlt sich wesentlich besser als die Kontrollgruppe (keine Prostituierten)


¼ wesentlich schlechter. Korreliert übrigens mit guten Arbeitsbedingungen (kein Straßenstrich etc.) (S. 158)


„Sinngebung und die Existenz eines positiv besetzten Lebens außerhalb des beruflichen Kontextes <sind> wichtige Faktoren...“ für Wohlergehen, Regeneration & kompensatorische Fähigkeiten bezügl. Anforderungen im Prostitutions Job (S. 159)


Studie von 2003 „Lebenssituation, Sicherheit & Gesundheit von Frauen in Deutschland: Prostituierte häufiger mit körperlichen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Magen/Darm Probleme, Haut oder Allergien (typisch für psychosomatische Belastungen) ebenso psychische Belastungen (Stress, Schwäche, Müdigkeit, Schlafstörungen, Depressionen...) (S. 161)


die Risiken liegen im Arbeitskontext Alkoholkonsum im Club, schlechte Arbeitsbedingungen, Umgangsweisen von Kunden...) ABER:


„...dies liegt weniger in der Prostitution selbst begründet als vielmehr im Stigma das der Prostitutionstätigkeit anhaftet und von vielen als gravierendes, wenn nicht als das Hauptproblem betrachtet wird.“ (S. 162 vgl. Vanwesenbeek)



Diskriminierung und Abwertung in der Gesellschaft als Prostituierte → sie ist diskreditiert als Person, wohingegen der Freier nur wegen seiner Aktivität geschmäht wird, was aber dem dominierenden Männerbild entspricht (S. 164)


„Unwürdigkeit des Kunden in seiner sexuellen Abhängigkeit der Frau/Prostituierten gegenüber, die des Zuhälters in seiner finanziellen Abhängigkeit (S. 164)


Diskriminierung auch durch behördliche Belange (Einschränkung und Kontrolle), ebenso Behandlung durch Polizei (nicht ernst genommen werden bei Übergriffen - „Berufsrisiko“) (S. 165)



Doppelleben/Verheimlichung/Selbstverleugnung → große Belastung


oft entwickeln Prostituierte negatives Selbstbild da keine gesellschaftliche Wertschätzung, keine Ahnung über eigene (Schlüssel)Kompetenzen (S. 167)



Seit Fall des eisernen Vorhangs viele Prostituierte aus Osteuropa – Prostitutionsmigration oder Menschenhandel? Wohl eher in der Mitte, fließende Übergänge (S. 168)


Zwangsprostituierte: wie viele?


Das BKA spricht 2003 von 1.235 Opfern Deutschlandweit


2008 → 800.000 weltweit (US Departement)


5-25% der Migrantinnen in den UK (Liz Kelly/Linda Regan) (S. 174)


aber: „gehandelte Frauen“ sind weniger motiviert und daher weniger lukrativ (S. 175)


„Demnach entscheiden sich die meisten der Frauen wissentlich und willentlich für die Migration zum Zweck der Prostitution, eine der wenigen Erwerbsmöglichkeiten die ihnen wegen der restriktiven Einwanderungspolitik verbleiben.“ (S. 176) siehe ebenda auch die Fußnote eines ukrainischen Priesters der in Italien Migrant*innenseelsorge betreibt und der Meinung ist dass über 90% der ukrainischen Prostituierten in Italien freiwillig arbeiten


Problem: Verschuldung durch Migration die erst abgearbeitet werden muss, was aber in der Rege nach 3 Monaten passiert ist


die meisten pendeln zwischen Heimatland und Europa – Pendelmigration, wie auch im Pflege- oder Reinigungsbereich (S. 177f)


warum migrieren?


Oft Krise (finanziell oder persönlich wie z.B. Partnerschaft zerbrochen) und manche wollen eben mehr als „nur“ Erwerbsarbeit


dabei begünstigender Faktor: jemanden kennen der das auch schon mal gemacht hat (S. 179)



Fazit dieses Kapitels:


weder dramatisieren noch schön reden, trotzdem birgt die Prostitutionstätigkeit ein höheres Gefährdungspotential als andere Dienstleistungsbereiche


altes ProstG (bis 2017) „Prostitution ist...eine physisch und psychisch belastende und auch gefährliche Tätigkeit, die nicht selten von vulnerablen Gruppen ausgeübt wird.“ (S. 185)


persönliche Voraussetzungen und Ressourcen fehlen oft um diese Tätigkeit unbeschadet ausführen zu können


das Augenmerk ist verstärkt auf strukturelle Rahmenbedingungen zu richten, da diese „...Arbeitsbedingungen einen wesentlichen Einfluss auf Gesundheit und Wohlbefinden der sich prostituierenden Frauen ausüben.“ (S. 185)


„Die Stigmatisierung der Prostitution und der Prostituierten erweist sich als das zentrale Problem.“ (S. 185)


damit möchte die Autorin aber nichts zur „Wertigkeit der Tätigkeit“ sagen, negatives Werturteil und Prozess der Stigmatisierung gilt es zu unterscheiden (S. 186)


„Ihren Sinn hat die Prostitutionstätigkeit demzufolge nicht in sich selbst, sondern nur mittelbar über das angepeilte Ziel, das je nach Inhalt durchaus auch aus ethischer Sicht eine positive Würdigung erfahren kann.“ (z.B. die Kinder vernünftig durchbringen)


Entstigmatisierung führt nicht an inhaltlicher bzw. Wertediskussion vorbei     (S. 187)


Soziale Netzwerke wären hier wichtig, da oft prekäre Familienverhältnisse, biographische Wendepunkte u.a. schwierige Situationen oft Punkte sind, in denen in die Prostitution eingestiegen wird (S. 187)



 


7. Kapitel: Überlegungen zur Prostitution aus theologisch-ethischer Perspektive



 


Individuum ganzheitlich sehen als Einheit von  Körper, Geist und Seele – Fragmentierung und Abspaltung sieht Autorin skeptisch (S. 190)


bei ungeschütztem bezahltem Sex ist Vertrauensmissbrauch offensichtlich gepaart mit nicht-schaden-Prinzip, sowohl dem Partner des Prostitutionskunden plus dem Akt der sexuellen Untreue (S. 191)


Prostitution ist nicht nur grundsätzlich problematisch sondern auch wegen  verschiedener Begleiterscheinungen des Gewerbes (z.B. Lärm & Grundstücksminderung beim Straßenstrich) – wie mit dem Problem umgehen? (S. 191)


Sexualität als Teil der guten Schöpfung, nicht nur unter dem Aspekt der Fruchtbarkeit (S. 195)


Erotik & (sexuelle) Sinnesfreude als gute Gaben Gottes, Genuss per se positiv bewertet (S. 196)


Geschöpflichkeit: es verbietet sich die Verabsolutierung der Sexualität  ebenso wie Heilserwartungen an sie zu knüpfen (S. 197)


Sexualität bekommt angemessenen Wert im Wissen auf Vergänglichkeit → Genuss/Erleben zur richtigen Zeit (S. 197)


Selbst- und Nächstenliebe immer nur mit ganzheitlichem personalem Engagement, daher schließt die Autorin unpersönliche sexuelle Begegnungen aus 8S, 198)


Prostitutionskunden drücken urmenschliches Bedürfnis aus wenn sie unverwechselbar als Geschlechtspartner angenommen werden wollen, aber:


„Wirkliche bzw. vollumfängliche Annahme als Person kann sich aber nur dann ereignen, wenn sie frei geschenkt wird.“ (S. 291)



Leitbild wie menschliche Sexualität zu leben ist: (S. 200 - 222)


   Ausschließlichkeit, Treue & Dauer (S. 201)

   Sexualität als Modell von Sprache und Mitteilung, nicht wie Analogie Hunger & Durst

   Mensch mit Selbst- und Wertbezug der Leib-vermittelt aufgefasst wird

   „Klar konturierte Körpergrenzen“ im Sinne von Respekt und Körperlichkeit (S. 202)

   Prostitution verträgt sich nicht mit klar konturierter Körperlichkeit da ein zur-Verfügung-stellen (S. 203)

   Biblisch: sexuelle Aktivität als „zutiefst personales Geschehen zwischen einer Frau und einem Mann“ (Anm. sic!) und schafft eine untrennbare Verbindung (S. 204)


   dann kommt noch Paulus mit seinen Belehrungen der Korinther warum sie sittsam sein sollen und nicht zu einer „Porne“ gehen sollen(S. 205f)


   Paulus gegen bindungslose Freiheit – ausschließlich gegenseitige Zustimmung sei nicht maßgebend da hier die soziale Seite ausgeblendet würde (S. 208)


   Sexualität nach biblischem Verständnis keine Privatsache sondern Gemeinschaft, Gesellschaft und (christliche) Gemeinde als Raum der Heiligkeit (S. 209)


   Kritik an Banalisierung der Sexualität in unserer Gesellschaft, am Konsum der Sexualität 8S. 210)


   Im biblischen Weltbild Prostitution nicht als lebensförderliche und gelingende menschliche Sexualität und wird daher abgelehnt  (S. 211)


   Autorin möchte die „Randständigen“ wieder in die Gesellschaft integrieren (vgl. Jesaja 23, 15-18) (S. 212)


   auf keinen Fall Prostituierte oder deren Kunden als Personen ablehnen, denn auch dies verbietet sich aus biblischer Sicht (S. 215f)


    


   Motivationen: Sex bei den Kunden (was abzulehnen ist s.o.) und Geld (Prostituierte) was man nicht einfach so ablehnen kann weil „...Für Frauen generell bestehenden Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt, insbesondere wenn sie noch Versorgungspflichten...haben.“ (S. 220)


   Männern empfiehlt die Autorin „Knigge-Regeln“ als Art Minimalmoral gegenüber Prostituierten, ebenso Dritten im Prostitutionsgewerbe wie Vermietern (keine Wuchermieten etc.) (S. 220f)


   traditionelle Moral hat bezüglich dieser Minima Moralia kaum einen Beitrag geleistet da „... die Ablehnung der Prostitution als Institution das moralische Anliegen eines möglichst moralischen Verhaltens in diesem grundsätzlich für unmoralisch betrachteten Bereich gar nicht aufkommen.“ (S. 221)


    


   die Autorin mag Prostitution nicht als Teil eines gelungenen Lebens oder als sinnvolles Leitbild begreifen (S. 221)


   aber: Leitbild lässt sich nicht verordnen, jeder Mensch hat seine eigene Lebensausrichtung selbst zu verantworten und gestalten, das oben beschriebene biblisch/christliche


   „...kann letztlich nur als Sinnangebot begriffen werden, weshalb es falsch wäre, das Anbieten und den Erwerb sexueller Dienstleistungen aus diesem Grund verbieten zu wollen:“ (S. 222)


   Menschlichkeit und erfüllende Momente können auch im Kontext der Prostitution erfahren werden (S. 222)


    


   Gleiche Würde für alle Menschen, egal ob Prostituierte, Prostitutionskunden, Lokalvermieter... (S. 223)


   aber: leib-geistige Einheit nicht mehr, wenn Frauenkörper als Konsumgut


   Grenzverschiebung der körperlich/seelischen Integrität (S. 224)


   Chancen und Mittel für persönliche Entfaltung (soziale Gerechtigkeit) leider nicht für alle so z.B. erschwerter Zugang zum Gesundheitswesen und soziales Sicherungssystem für Prostituierte (S. 225)


    


   christlicher Grundsatz: den Benachteiligten verpflichtet, ergo auch den Prostituierten (S. 226) Beteiligung aller an der Gesellschaften


   Prostituierte als vollwertiges Gesellschaftsmitglied, auch sie braucht entsprechende Sensibilität für ihren Wert als Person für charakterliche Stärken und Kompetenzen aus Erfahrungen im Bereich Prostitution (S. 227)


    


   moralischer Dissens bei ethischer Frage zum Umgang mit Prostitution ist nur wertend – was gebraucht wird ist aber Verständigung darüber wie sich die Lage von Prostituierten verbessern lässt

   braucht es überhaupt neue Regelungen/Handhabungen?

   Kompromiss als Verständigungsprozess, Regelung muss reversibel sein aber nicht die Entscheidung völlig umkrempeln (s: 229)

   „Auf das Beispiel der Prostitution angewendet hieße das, dass die Einigung auf eine Regulierung nicht zu einem späteren Zeitpunkt rückgängig gemacht und in ein Verbot umgewandelt würde und die Gegner dadurch wieder einen in ihren Augen moralisch akzeptablen Zustand durchgesetzt hätten.“ (S. 229)


    


    


   Kapitel 8: Recht und Moral in einer strittigen Angelegenheit


    


   ablehnende Haltung gegenüber Prostitution heißt nicht ablehnende Haltung Prostituierten , in Abgrenzung zu der Autorin Tamara Dometat (S. 233)


   extremes Prostitutionsverbot vs. Prostitution als Beruf:


   theologisch-ethisch beides nicht den Grundsätzen gerecht werdend, aber es gibt ja noch andere Möglichkeiten „zur Gestaltung von Staat und Gesellschaft“ (S. 233)


   modernes Recht: Freiheit


   ergo selbstverantwortliche Lebensführung, jede erwachsene Person frei in Entscheidung auch bezüglich Sexualität (daher Kinder und auch Zwang und Gewalt ausgenommen), ebenso der Grundsatz Recht auf Wirtschaftsfreiheit (Prostitution als Tätigkeit) Artikel 12 des Grundgesetzes (S. 237)


   aber: „Kultur der Grundrechte“ → Prostitution transportiert ein bestimmtes Geschlechterbild, Frau im Dienst zum Mann (S. 241)


   Strafrecht hat sich zurückzuhalten wenn es auch andere Mittel regeln können z.B. außerrechtliche oder Mittel des bürgerlichen Rechts (S. 243)


    


   bei ethischen Konflikten wie z.B. Schwangerschaftsabbrüchen  und Prostitution nach Strafrecht zu rufen löst keine Konflikte - es kann und darf nicht alle Lebenssituationen regeln, Raum für Wege die Menschen finden die sie vor ihrem Gewissen vereinbaren können z.B. die runden Tische in der Schweiz zwischen staatlichen und nicht staatlichen Akteuren zum Problem Frauenhandel (S. 244)


   differenzierte Prostitutionspolitik ist möglich und legitimierbar, staatliche Mittel werden benötigt – Repressionspolitik bindet viele Mittel und „...ob der Aufwand den erhofften Nutzen zu bewirken vermag <ist> fraglich.“ (S. 245)


    


   UN Konvention von 1949 abolitionistisch geprägt


   4. Weltfrauenkonferenz 1995 in Peking lehnt Gewalt an Frauen ab und zählt dazu erzwungene Prostitution, nicht Prostitution an sich (S. 246)


   UN Konvention 1949: Prostituierte erden „geschützt“ aber dritte belangt (z.B. Vermieter und:


   Prostituierte dürfen weder registriert (sic!) noch zu Gesundheitskontrollen verpflichtet werden (S. 248)


    


   Abolis: Prostituierte als Opfer sehen, Prostituierte nicht wegen ihrer Tätigkeit verurteilen (S. 249)


   Autorin findet folgende Aboli These problematisch:


   Wo Prostitution erlaubt sei, sei sie eine der der Grundursachen des Frauenhandels (S. 250)


   und das Problem jetzt heimlich als Prostituierte arbeiten zu müssen: an inoffizielle Vermieter hohe Risikoprämien zahlen zu müssen → also trifft es die Prostituierte und hat zur Folge Verschlechterung der Arbeitsbedingungen        (S. 251)


   „...das Problem des Frauenhandels und der Zwangsprostitution gar nicht so groß ist wie oft angenommen wird (was aber keinesfalls heißt, dass das Problem selbst deswegen weniger schlimm wäre.)“ (S. 253)


   in Vergangenheit moralische und gesundheitliche Gründe als Gründe für Verbot der Prostitution, heute der Angriff auf die Menschenwürde (S. 254)


   „Wie die Geschichte lehrt und die Erfahrung zeigt vermochte bislang kein Verbotsregime das erklärte Ziel, Prostitution aus der Welt zu schaffen, zu erreichen.“ (S. 255)


   Abolition: bei der Prostitution kann im Gegensatz zur Sklaverei nicht per se völlig fehlende Freiheit unterstellt werden 8S. 256)


    


   „Wer die Menschenwürde von Prostituierten gegen ihren Willen schützen zu müssen meint, vergreift sich in Wahrheit an ihrer von der Menschenwürde geschützten Freiheit der Selbstbestimmung.“


   schwedische Historikerin S. Dodillet die die grüne Politikerin I. Schewe-Gerigk zitiert, Rede im Bundestag 11.Mai 2001 (S. 258)


   Es kann nicht „...Aufgabe des Staates sein, Frauen aktiv, d.h. mit Zwang, von der Prostitution abzuhalten...oder daraus herauszuholen.“ auch wenn sie sich da in eine Situation der Unfreiheit hineinmanövriert hat (gemeint ist hier die eigene Befindlichkeit, nicht eine von Dritten erfolgte Zwangslage) (S. 259)


   Prostitution kann auch Ausgangspunkt von Freiheitsentwürfen dein - „so wie jede andere in Wert gesetzte Arbeit auch.“ (S. 260)


    


   Prostitutionspolitik finden die Prostitutionspolitik zwar nicht gutheißt, aber respektiert, nicht bloß toleriert – meint strukturelle Maßnahmen das Prostituierte nicht sich selbst überlassen werden (S. 261)


   z.B. keine Ansprüche Dritter zulassen, Gleichstellung der Geschlechter im Blick haben – sexuelle Dienstleistungen sind nicht einklagbar (S. 262)


    


    


   Kapitel 9: Erfahrungen mit unterschiedlichen Prostitutionspolitiken


    


   neue Regelungen (in Schweden) und auch Niederlande → erschwerter Zugang für Prostituierte die nicht registriert sind für gesundheitliche und soziale Stellen (S. 268)


   Gutachten von LKA und Polizeistellen: Zwangsprostitution und Menschenhandel können nicht schlechter verfolgt werden nach Aufhebung der generellen Strafbarkeit der Zuhälterei (S. 274)


   Verbot in Prostitution ist als gescheitert anzusehen.


   „Solange Frauen in der Prostitutionstätigkeit eine Verdienstmöglichkeit sehen suchen sie den jeweiligen Umständen entsprechend nach (neuen) Möglichkeiten, auf diese Weise zu Einnahmen zu kommen.“ (S. 275)


   Verbotsregime: verschlechtert die Sicherheitslage von Prostituierten, birgt größere Gefährdung der Gesundheit und treibt die betroffenen Frauen eher in die Arme eines Zuhälters.“ (S. 276)


   DIE ideale Lösung einer kohärenten und erfolgreichen Prostitutionspolitik gibt es so nicht und wird es wohl auch nie geben → Ausgleich zwischen verschiedenen Anforderungen muss gefunden werden (S. 276)


   eine rechtliche „Grundabsicherung“ ist wichtig, gerade wenn Prostituierte darauf angewiesen sind Unrecht einklage zu können (S. 277)


   Abolis: Sexgewerbe fördern und somit Frauenhandel fördern konnte nicht nachgewiesen werden (S. 278)


   Frauenhandel in Prostitution: Problem ist nicht die Prostitutionspolitik sondern Faktoren wie Frauenarbeitslosigkeit der Wohlstandsgefälle zwischen Ländern, vgl. die Studie dazu vom europäischen Parlament (S. 278)


   Kontrollen und Regulierungen zeigen: es lohnt sich für Betreiber von Bordellen/SexClubs gar nicht mit Frauenhandel, das Risiko erwischt und bestraft zu werden ist zu hoch (Erfahrungen aus den Niederlanden) (S. 278)


   Regelung: Die Rechnung nicht ohne den Wirt (Prostituierte) machen (S. 279)


    


   Kapitel 10: Leitlinien für Gesellschaft und Politik


    


    


   ein Zusammenleben regeln, einschließlich der Art zu wirtschaften oder sozialer Sicherung trotz teils unüberbrückbarer weltanschaulicher Differenzen (S. 281)


   es gibt keine ideale Problemlösung auf gesellschaftlicher und staatlicher Ebene aufgrund der Komplexität des Phänomens und des damit verbundenen moralischen Dissens (S. 281)


   Wertschätzung für Prostituierte, auch wenn keine ethische Bejahung der Prostitution begründet werden kann, erst recht da viele von ihnen ja soziale Verantwortung übernehmen z.B. selbst für sich, die Kinder, Schulden... aufkommen (S. 283)


   „Unabhängig von der allfälligen Wertung der Prostitution...steht diesen Frauen zu wie allen anderen Bürgerinnen und Bürger an der sozialen Sicherung partizipieren zu können, die nach menschenrechtlichem Verständnis nicht von einer (abgestuften) sozialen Wertigkeit ihrer Tätigkeit oder ihres Verhaltens abhängt, sondern verbrieftes Recht ist. Da zumindest in de moderneren westlichen Gesellschaften die soziale Sicherung hauptsächlich über die Erwerbsarbeit erfolgt und die Prostitutionstätigkeit dazu zuzählen ist, wäre es nicht nur zu rechtfertigen, hier in Bezug auf die soziale Sicherung eine Ausnahme machen zu wollen.“ (S. 283f)


   eine Regulierung, ein differenzierter Umgang sind nötig, eine abgestufte Anerkennung (S. 284)

   nicht als rigorose Behörde auftreten, sondern Unterstützung mit ordnungspolitischen Maßnahmen verbinden (S. 287)

   Migrationspolitik: kontrollierte Öffnung des Arbeitsmarktes (S. 288)

   soziales Netz: „...das bei biographischen Brüchen über Engpässe hinweghilft und gefährdeten jungen Frauen andere Perspektiven ermöglicht.“ (S. 289)

   bessere Chancen für Frauen auf dem Arbeitsmarkt incl. Besserer Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung (S. 289)

   Der Exklusion entgegenwirken:

   Doppelleben von Prostituierten aus Angst vor Stigmatisierung

   mit Gewalterfahrungen allein gelassen werden

   bei Frauenhandel großer Handlungsbedarf in puncto Opferschutz (S. 290)

   Freier sensibilisieren (S. 290)


    


   die Schlussbemerkung: Desiderate aus theologischer Perspektive:


    


   ach theologisch eben, hatten wir ja schon zu Genüge.


   Sie hat eben eine andere Auffassung von Liebe als ich, möchte aber im Sinne der christlichen Vergebung Neuanfänge ermöglichen – größte Gerechtigkeit wie Jesus sie in Mt 5 fordert.


    


   Amen!


    


    


   Literaturauswahl, gesamt sind das alleine 37 Din-A4 Seitenn:


    


   Anderson, Elisabeth: „Value in Ethics and Economics“ Harvard/Cambridge, Mass./London 1993


    


   Baumann, Zygmunt: „Über den postmodernen Gebrauch der Sexualität, in: Zeitschrift für Sexualforschung 11 (1998)


    


   Beck,Ulrich: „Was meint „Eigenes Leben“?“ in: ders.:/Erdmann Ziegler „Eigenes Leben, Ausflüge in die unbekannte Gesellschaft in der wir leben“        München 1997


    


   Bundeskriminalamt www.bka.de


    


   Campagna, Norbert: „Prostitution. Eine Philosophische Untersuchung“      Berlin 2005


    


   ders.: „Die normative Betrachtung der Sexualität und die rechtliche Regulierung sexuell expliziter Darstellungen“ in: Bondolfi/Grotefeld (Hrsg): „Ethik und Gesetzgebung, Probleme – Lösungsversuche – Konzepte“ Stuttgart/Berlin/Köln 2000


    


   Dometat, Tamara: „Lass dich verwöhnen – Prostitution in Deutschland“     Berlin 2003


    


   Habermas, Jürgen: „Kampf um Anerkennung im demokratischen Rechtsstaat“ in: ders.: „Die Einbeziehung des Anderen, Studien zur politischen Therie“ Frankfurt a.M. 1999


    


   Haker, Hille: „Selbstkonzepte aus feministisch-ethischer Sicht“ in: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie 49 2002


    


   Heinz-Trossen, Alfons: „Prostitution und Gesundheitspolitik, Prostituiertenbetreuung als Pädagogischern Auftrag des Gesetzgebers an die Gesundheitsämter“ (Europäische Hochschulschriften: Reihe 22, Soziologie, Bd. 239) Frankfurt a.M./Berlin/Bern/New York/Paris/Wien 1993


    


   Herrmann, Beate:: „Der menschliche Körper: Sache oder Person?“ in: Studia philosophica 62 (2003)


    


   Hydra e.V. www.hydra-berlin.de


    


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   Krebs, Angelika: „Arbeit und Liebe. Die philosophischen Grundlagen sozialer Gerechtigkeit“ Frankfurt a.M. 2002


    


   Lenz, Karl: „Romantische Liebe – Ende eines Beziehungsideals?“ in: Hahn/Burkart (Hrsg.) „Liebe am Ebnde des 20. Jahrhunderts, Studien zur Soziologie intimer Beziehungen Opladen 1998


    


   ders.: „Im ehernen Gehäuse der Kultur, Geschlechterkonstruktion in heterosexuellen Zweierbeziehungen“ in. Brückner/Böhnisch: „Geschlechterverhältnisse, Gesellschaftliche Konstruktionen und Perspektiven ihrer Veränderung“ Weinheim/München 2001


    


   Lenzen, Wolfgang: „Liebe, Leben und Tod. Eine moralphilosophische Studie“ Stuttgart 1999


    


   Leopold, Beate: „Wer arbeitet warum als Prostituierte?“ in: von Drücker/Museum der Arbeit (Hrsg): „Sexarbeit.Prostitution – Lebenswelten und Mythen“ Bremen 2005


    


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   Mankert, Stefanie: „Studie zum Risikoverhalten von Freiern („Freier-Studie“)“ Abschlussbericht Berlin 1991


    


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   Vanwesenbeek, Ine: „Prostitutes´ well-being and risk“ Amsterdam 1994


    


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   Willi, Jürg: „Psychologie der Liebe. Persönliche Entwicklung durch Partnerbeziehungen“ Stuttgart 2002


    



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